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Mietrecht
Baulärm – wann und wie lange sind Ruhezeiten einzuhalten

Gerhard Ostfalk
Gerhard Ostfalk  | 
Baulärm und Ruhezeiten - wer eine Baustelle betreibt, darf bestimmte Lautstärkepegel nicht überschreiten
Baulärm und Ruhezeiten - wer eine Baustelle betreibt, darf bestimmte Lautstärkepegel nicht überschreiten  (C) Ostfalk

Baulärm – Jeder der ein Haus oder eine neue Wohnung umbaut oder renoviert, weiß, dass bei solchen Maßnahmen lärmintensives Arbeitsgerät verwendet wird. Auf der anderen Seite ist jedem bewusst, was es heißt, als Nachbar einer kleinen oder großen Baustelle von Baulärm gestört zu werden.

Welche Ruhezeiten einzuhalten sind, und welche Ansprüche bestehen wird im folgendem erläutert:

Gerhard Ostfalk

Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

 Grundsätzlich gilt:

  • der Betreiber einer Baustelle muss vermeidbaren Lärm vermeiden.
  • Werden maßgebliche Grenzwerte überschritten bestehen Abwehransprüche der gestörten Nachbarn.
  • Behörden können Maßnahmen zur Verringerung von Lärmbelastungen oder die Stillegung von Baustellen fordern.
  • Auch der Mieter ist gegenüber dem Vermieter nicht rechtelos.
    Ansprüche auf Mietminderung bestehen zwar nach der "Bolzplatz-Entscheidung" des BGH aus dem Jahre 2015 nicht mehr ohne Weiteres. Dennoch sind nach wie vor Minderungsrechte durchsetzbar.

 

1 Gesetzliche Regelungen

1.1 Baulärm durch gewerblich betriebene Baustelle

Wer eine Baustelle gewerblich betreibt, muss grundsätzlich proaktiv

- schädliche Umwelteinwirkungen verhindern, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind und

- nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden (§ 22 BImSchG).

- Darüber hinaus muss er sich an die Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm- und Geräuschimmissionen [AVV Baulärm 1970] halten.

Danach darf der Betreiber einer Baustelle bestimmte Lautstärkepegel nicht überschreiten und muss Nachtzeiten einhalten. Bei den einzuhaltenden Lärmpegeln wird zwischen Wohngebieten, Kurgebieten und Gewerbegebieten mit unterschiedlichen Schutzabstufungen differenziert.

1.1.1 Immissionsrichtwerte

 

tagsüber

nachts

Gebiete, in denen nur gewerbliche oder industrielle Anlagen
und Wohnungen für Inhaber und Leiter der Betriebe
sowie für Aufsichts- und Bereitschaftspersonen
untergebracht sind,

70 dB (A)

70 dB (A)

Gebiete, in denen vorwiegend gewerbliche Anlagen
untergebracht sind,

65 dB (A)

50 dB (A)

Gebiete mit gewerblichen Anlagen und Wohnungen,
in denen weder vorwiegend gewerbliche Anlagen
noch vorwiegend Wohnungen untergebracht sind,

60 dB (A)

45 dB (A)

Gebiete, in denen vorwiegend Wohnungen
untergebracht sind,

55 dB (A)

40 dB (A)

Gebiete, in denen ausschließlich Wohnungen
untergebracht sind,

50 dB (A)

35 dB (A)

Kurgebiete, Krankenhäuser und Pflegeanstalten

45 dB (A)

35 dB (A)

1.1.2 Nachtzeiten für Baustellen – aber keine Mittagsruhe

Dabei gilt als Nachtzeit die Zeit von 20:00 Uhr abends bis 07:00 Uhr morgens. Das bedeutet, dass die erhöhten Immissionsrichtwerte tagsüber zwischen 07:00 Uhr morgens und 20:00 Uhr abends gelten und keine Mittagsruhe oder etwas ähnliches einzuhalten ist.

1.1.3 Bewertung von Lärmpegeln

Das Problem bei der Bewertung von Lärm liegt darin, dass Lärmpegel immer auch vom subjektiven Empfinden des einzelnen geprägt sind. Deshalb spielen neben dem rein physikalisch zu messenden Schalldruckpegel auch zusätzliche Faktoren wie die Lästigkeit der Beeinträchtigung und der Beurteilungszeitraum eine Rolle.

1.1.4 Maßnahmen

Bei Überschreitung der Beurteilungspegel durch Baumaschinen um mehr als 5 dB (A), können von den Ordnungsbehörden Maßnahmen zur Minderung der Geräusche angeordnet werden.

Es kommen insbesondere in Betracht:
a) Maßnahmen bei der Einrichtung der Baustelle,
b) Maßnahmen an den Baumaschinen,
c) die Verwendung geräuscharmer Baumaschinen,
d) die Anwendung geräuscharmer Bauverfahren,
e) die Beschränkung der Betriebszeit lautstarker Baumaschinen.

Von Maßnahmen zur Lärmminderung kann abgesehen werden, soweit durch den Betrieb von Baumaschinen infolge nicht nur gelegentlich einwirkender Fremdgeräusche keine zusätzlichen Gefahren, Nachteile oder Belästigungen eintreten.

1.2 Privater Baulärm aus der Nachbarschaft - was mache ich wenn mein Nachbar lärmintensiv baut ?

Neben den Vorgaben aus der AVV 1970 gibt es Regelungen besondere Ruhezeiten in Wohngebieten nach der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung-32.BImSchG-. An diese ist nicht nur der gewerbliche Bauunternehmer gebunden, sondern auch der private Heimwerker.

Nach dieser Verordnung gelten grundsätzlich Ruhezeiten von 20:00 Uhr abends bis 7:00 Uhr morgens. Und an Sonn- und Feiertagen dürfen die tabellarisch aufgeführten Gerätetypen ebenfalls nicht verwendet werden.

Für Freischneider, Grastrimmer und Graskantenschneider, Laubbläser und Laubsammler gelten zusätzlich eingeschränkte Benutzungsfenster von 09:00 Uhr morgens bis 17:00 Uhr abends und eine Mittagsruhe von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr.

Die Verordnung lässt es zu, dass Behörden im Einzelfall Ausnahmen von den Einschränkungen genehmigen. Für besondere „empfindliche Gebiete“ können die Landesregierungen nochmals gesonderte, weitergehende Einschränkungen festlegen.

1.3 Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm 1998)

Baulärm ist nicht Gegenstand der TA Lärm 1998. Die TA Lärm ist eine Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum BimSchG von 1998, die dem Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche dient. Bedeutung hat die TA Lärm für Genehmigungsverfahren von Gewerbe- und Industrieanlagen. Nach Nr. 1.f ist sie aber nicht anwendbar für Baustellen.

1.4 Baustelle in der Nachbarschaft

Die Baustelle in meiner Nachbarschaft ist zu laut - was kann dagegen getan werden ?

1.4.1 Zunächst können einfache Beschwerden an Bauherren und Bauunternehmer gerichtet werden

Natürlich ist an erster Stelle der Bauunternehmer verantwortlich für seinen Baulärm, daher kann es durchaus Sinn machen, sich direkt bei ihm zu beschweren. Das gleiche gilt für den Bauherren, also den Grundstückseigentümer, der bauen lässt. Natürlich ist gerade auch er verantwortlich für den auf seinem Grundstück produzierten Baulärm.

Bauherr und Bauunternehmer unterliegen der AVV Baulärm 1970 und sollten wissen, dass sie dazu verpflichtet sind, ungeachtet etwaiger technischer Grenzwerte

- schädliche und vermeidbare Umwelteinwirkungen zu verhindern und

- unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein

Mindestmaß zu beschränken. Im Zweifel ist aber eine direkte Beschwerde bei den Ordnungsbehörden oder die zivilrechtliche Inanspruchnahme gerichtlicher Hilfe zu empfehlen:

1.4.2 Beschwerden können bei den Ordnungsbehörden erhoben werden

Bei nachhaltigem Lärm mit einer Baustelle kann eine direkte Beschwerde beim Ordnungsamt sinnvoll sein. Die Ordnungsbehörden haben Möglichkeiten, den Bauunternehmer als „Verhaltensstörer“ und den Bauherren als „Zustandsstörer“ in die Verantwortung zu ziehen und Schutzmaßnahmen zu fordern.

1.4.3 Zivilrechtliche Unterlassungsansprüche richten sich gegen den Bauherren

Grundsätzlich besteht aber auch die Möglichkeit, als gestörter Nachbar direkt gegenüber dem Bauherren zivilrechtlich vorzugehen, Unterlassung zu fordern und einzuklagen und etwaige Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Anspruchsberechtigt können der benachbarte Grundstückseigentümer und der Mieter sein.
Um Ansprüche zielgerichtet realisieren zu können, muss bei Verstößen gegen die AVV Baulärm 1970 mit Hilfe eines Sachverständigen festgestellt und dokumentiert werden, welche Beeinträchtigung bei dem gestörten Nachbarn ankommt. Verstöße gegen die Ruhezeiten sollten ebenfalls möglichst genau und umfassend dokumentiert werden.

2 Baulärm und Ruhezeiten unter Mietern und innerhalb eines Mehrparteienhauses

Man liest immer wieder, dass es keine allgemeinen Ruhezeiten gibt, an die sich Mieter halten müssen. Aber, wird ein Mieter handwerklich tätig, so gelten auch für ihn die Ruhezeiten gemäß der oben beschriebenen Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung - 32. BImSchV. Daneben kann es eine Hausordnung geben, an die sich der Mieter ebenfalls zu halten hat.

3 Welche Rechte hat der Mieter gegenüber seinem Vermieter bei Baulärm von einem Nachbargrundstück

Im Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter ist zunächst zu differenzieren, ob es sich um Baulärm handelt, der den oben genannten technischen Normen entspricht. Oder ob der zu duldende Baulärm die Richt- und Grenzwerte zeitlich oder von seiner Lautstärke her überschreitet.

3.1 Richtlinienkonformer Baulärm

3.1.1 eingeschränkte Mieterrechte

Geräuschimmissionen durch Nachbargrundstücke stellen dann keinen gemäß § 536 Abs. 1 Satz 1 BGB zur Mietminderung führenden Mangel der Mietwohnung dar, wenn auch der Vermieter den Baulärm ohne eigene Abwehr- oder Entschädigungsmöglichkeit als unwesentlich oder ortsüblich entschädigungslos hinnehmen muss.

(BGH, Urteil vom 29.04.2015 – VIII ZR 197/14; AG Schöneberg, Urteil vom 22.09.2015 - 15 C 353/14)

Wird die Baustelle genehmigungs- und auflagengerecht und ohne Überschreitung von Lärmpegelrichtwerten und Ruhezeiten betrieben, ist dies grundsätzlich als ortsüblich anzusehen und damit vom Eigentümer entschädigungsfrei hinzunehmen. Damit hat auch der Mieter auch kein Minderungsrecht.

(BGH, Urteil vom 29.04.2015 – VIII ZR 197/14; AG Köpenick, Urteil vom 11.07.2017 - 7 C 391/16)

3.1.2 Aber der Vermieter hat die Beweislast dafür, dass die Baustelle rechtskonform betrieben wird

Aber ganz Rechte los ist der Mieter nicht. Denn jedenfalls nach Ansicht des Landgerichtes München trägt der Vermieter die Beweislast dafür, dass ihm keine Abwehrmöglichkeiten gegen den Baulärm des Nachbargrundstückes hat.

(LG München I, Urteil vom. 14.01.2016 – 31 S 20691/14)

3.2 Die Richtlinien überschreitender Baulärm

Verstößt die Baustelle entweder gegen die oben genannten Lärmschutzrichtwerte und werden die einzuhaltenden Lärmzeiten überschritten, so gilt aus Sicht eines benachbarten Mieter das folgende:

3.2.1 Minderung der vereinbarten Miete

Gemäß § 536 Abs. 1 BGB ist die vereinbarte Miete kraft Gesetzes gemindert, wenn die Mietsache zur Zeit der Überlassung an den Mieter einen Mangel aufweist, der ihre Tauglichkeit zum vertragsgemäßen Gebrauch aufhebt oder (erheblich) mindert, oder ein solcher Mangel während der Mietzeit entsteht.
Ein derartiger Mangel ist dann gegeben, wenn der tatsächliche Zustand der Mietsache vom vertraglich vorausgesetzten Zustand abweicht. Der vertraglich geschuldete Zustand bestimmt sich in erster Linie nach dem Mietvertrag. Aber auch mündliche oder stillschweigend getroffene Abreden können maßgeblich sein. Auf die Mietsache einwirkende erhebliche Bauimmissionen stellen einen - selbstverständlichen - Mangel der Mietsache dar.

(BGH, Urteil vom 23.04.2008 - XII ZR 62/06, NJW 2008, 2497; BGH, Urteil vom 10.02.2010 - VIII ZR 343/08, NJW-RR 2010, 737; LG Berlin, Beschluss vom 16.06.2016 - 67 S 76/16; LG Berlin, Beschluss vom 27.02.2014 - 67 S 476/13)

Daran ändert der Umstand, dass die Mietsache zu Beginn des Mietverhältnisses noch nicht von Baumaßnahmen und den damit einhergehenden Immissionen betroffen war, nichts.

(BGH, Urteil vom 23.04.2008 - XII ZR 62/06, NJW 2008, 2497; BGH, Urteil vom 10.02.2010 - VIII ZR 343/08, NJW-RR 2010, 737; LG Berlin, Beschluss vom 16.06.2016 - 67 S 76/16; LG Berlin, Beschluss vom 27.02.2014 - 67 S 476/13)

Denn die Mietvertragsparteien vereinbaren auch ohne ausdrückliche vertragliche Abrede konkludent, dass die (Wohnraum-)Mietsache dem üblichen Mindeststandard vergleichbarer Räume entspricht, um dem Mieter ein zeitgemäßes Wohnen ermöglichen

(BGH, Urteil vom 26.07.2004 - VIII ZR 281/03, NJW 2004, 3174; BGH, Urteil vom 23.09.2009 - VIII ZR 300/08, NJW 2010, 133; BGH, Urteil vom 10.02.2010 - VIII ZR 343/08, NJW-RR 2010, 737; LG Berlin, Beschluss vom 16.06.2016 - 67 S 76/16; LG Berlin, Beschluss vom 27.02.2014 - 67 S 476/13)

und von ihm ohne Gesundheitsschädigung bewohnbar sein muss.

(BayObLG, Beschluss vom 04.08.1999 - RE-Miet 6/98, NZM 1999, 899)

3.2.2 Geltendmachung von Minderungsansprüchen gegenüber dem Vermieter

Der Mieter muss dem Vermieter den lärmbedingten Mangel der Mietsache anzeigen. Sofern er weiterhin Miete bezahlt, muss dies ausdrücklich unter dem Vorbehalt einer späteren Rückforderung geschehen. Denn sonst kann der Mieter die einmal bezahlte Miete nicht mehr zurückverlangen (§ 814 BGB).
Zur Darlegung wiederkehrender Beeinträchtigungen des Mietgebrauchs genügt grundsätzlich eine Beschreibung, aus der sich ergibt, um welche Art von Beeinträchtigungen es geht, zu welchen Tageszeiten, über welche Zeitdauer und in welcher Frequenz diese ungefähr auftreten. Der Vorlage eines Protokolls bedarf es nicht. Dies gilt erst recht, wenn die Umstände das Auftreten derartiger Beeinträchtigungen ohnehin nahelegen.

(BGH Urteil vom 29.02.2012, Az: VIII ZR 155/11)

3.2.3 Einstweilige Verfügung

Bei Unannehmlichkeiten und Beeinträchtigungen der Mietwohnung, die durch Bauarbeiten am Gebäude entstehen, wie Lärmbeeinträchtigungen, Verschattungen und Verschmutzungen, kann sich der Mieter mit mietrechtlichen Gewährleistungsansprüche wehren. Das einstweilige Verfügungsverfahren ist hierfür nicht geeignet.

(LG Berlin, Urteil vom 16.12.2014 - 63 S 239/14)

3.3 Der Vermieter kann bei Vertragsschluss absehbare Minderungsrecht eingrenzen

Die Parteien des Mietvertrages können vertraglich auch einen Standard vereinbaren, der unterhalb der üblichen Lärmstandards liegt. Da kann Baulärm, mit dem bereits bei Vertragsschluss zu rechnen war, als „vertragsgemäß“ vereinbart werden.

(BGH, Urteil vom 20.01.1993 - VIII ZR 22/92; AG Köln, Urteil vom 14.06.2011 - 223 C 26/11)

Allerdings setzt das eine vom Vermieter darzutuende und zu beweisende Vereinbarung voraus, die zudem eindeutig gefasst sein muss

(BGH, Urteil vom 20.01.1993 - VIII ZR 22/92, NJW-RR 1993, 522; BGH, Urteil vom 10.02.2010 - VIII ZR 343/08, NJW-RR 2010, 737; LG Berlin, Beschluss vom 16.06.2016 - 67 S 76/16;)

Nichts anderes folgt daraus, dass sich zu Beginn des Mietverhältnisses neben der von der Klägerin innegehaltenen Mietsache eine Baulücke befunden hat, die nunmehr durch das streitgegenständliche Bauvorhaben geschlossen wurde

(BGH, Urteil vom 29.04.2015 - VIII ZR 197/14, NJW 2015, 2177; LG Berlin, Beschluss vom 16.06.2016 - 67 S 76/16; LG Berlin, Beschluss vom 27.02.2014 - 67 S 476/13)

4 Welche Rechte hat der Nachbar einer Baustelle gegenüber dem Bauherren ?

Nach § 906 BGB kann der Eigentümer eines Grundstücks die Zuführung von Erschütterungen und anderen unwägbaren Stoffen, die von einem anderen Grundstück ausgehen, nicht verbieten, wenn dies die Benutzung seines Grundstücks unwesentlich beeinträchtigt (Abs. 1) oder zwar wesentlich beeinträchtigt, die Einwirkung aber durch eine ortsübliche Benutzung des anderen Grundstücks herbeigeführt wird und nicht durch Maßnahmen verhindert werden kann, die Benutzern dieser Art wirtschaftlich zumutbar sind (Abs. 2 Satz 1).

Ist er im letzteren Fall zur Duldung verpflichtet, kann der Eigentümer des betroffenen Grundstücks nach Absatz 2 Satz 2 der Vorschrift von dem Benutzer des anderen Grundstücks einen angemessenen Ausgleich in Geld verlangen, wenn die Einwirkung eine ortsübliche Benutzung seines Grundstücks oder dessen Ertrag über das zumutbare Maß hinaus beeinträchtigt.

Wenn der Mieter wegen erheblichen Baulärms die Miete berechtigt mindert, hat der Vermieter gegenüber dem Bauherrn einen Anspruch auf Ausgleich. Die Höhe dieses Anspruchs hängt jeweils von den genauen Umständen des Einzelfalls ab.

(LG Potsdam, Urteil vom 19.04.2007 - 3 S 108/06)

5 Ruhestörungen innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaft

Zwischen Wohnungseigentümern gilt § 14 WEG. Nach Abs. 1 ist jeder Wohnungseigentümer verpflichtet, von den im Sondereigentum stehenden Gebäudeteilen und gemeinschaftlichem Eigentum nur in solcher Weise Gebrauch zu machen, dass dadurch keinem der anderen Wohnungseigentümer über das bei einem geordnetem Zusammenleben unvermeidliche Maß hinaus ein Nachteil erwächst.
Hieraus ergibt sich ein gegenseitiger Anspruch zwischen den Wohnungseigentümern auf eine allgemeine Rücksichtnahme. Konkrete Ruhezeiten sind gesetzlich aber nicht geregelt. In den meisten Wohnungseigentümergemeinschaften kann dabei aber Rückgriff auf die Hausordnung genommen werden, in der vielfach Ruhezeiten besonders vereinbart werden.
Ergeben sich keine Hinweise aus der Hausordnung, so kann nur auf allgemeine Grundsätze zurückgegriffen werden. Im Zweifel wird man wohl die oben beschriebenen Ruhezeiten aus der Maschinenlärmschutzverordnung nach dem Bundesemissionsschutz zurückgreifen können.


279025 mal Gelesen  |  Letzte Änderung am Donnerstag, 24 Mai 2018 20:29
(141 Stimmen)
3.2 out of 5 based on 141 reviews

5 Kommentare

  • Gerhard Ostfalk

    gepostet von Gerhard Ostfalk

    Nein. Ein Kurgebiet ist ein gesondert ausgewiesenes innerörtliches Gebiet in einem Kurort, welches dem besonderen Schutz des Kurbetriebs dient. Das Kurgebiet umfasst in der Regel jene Teile des Ortes bzw. des Ortsteils, in denen sich die Kurpatienten oder Gäste wegen der dort vorhandenen Kureinrichtungen, Unterhaltungsmöglichkeiten sowie der Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe vorrangig aufhalten. Die Regelungen für Kurgebiete sind landesspezifisch und werden in den einzelnen Bundesländern entweder über ein Gesetz ("Kurortegesetz") oder eine Verordnung festgelegt.

  • Friedrich

    gepostet von Friedrich

    Das Nachbarhaus wird saniert. Wie lange darf so eine Baustelle gehen wo Lärm gemacht wird? Die können doch nicht 3 Jahre lang Lärm verursachen, oder wie sehe ich das. Dazu Kommt noch dass immer nur 2 Personen, und das auch nicht jeden Tag, das Haus sanieren. Wie lange soll die Sanierung dauern. Denn ich bin Schichtarbeiter. Wie lange soll ich das dulden. Irgendwann muss ich auch schlafen.

    Mfg Christian

  • Loose

    gepostet von Loose

    Diese Frage - der letzte Eintrag hier - würde mich auch brennend interessieren.
    Das Nachbarhaus (angrenzend an unser Schlafzimmer, Mehrfamilienhaus) wird seit mindestens 5 Jahren renoviert. Nun wurden wir heute morgen um 6.10 Uhr vom Presslufthammer aus dem Bett gerüttelt. An Mittagschlaf für mein nunmehr 3jähriges Kind ist nicht zu denken.
    Silvester/Neujahr hat der Eigentümer ebenfalls "gewerkelt", da er eben einmal frei (Urlaub) hatte.

  • Sabine N.

    gepostet von Sabine N.

    Hallo,
    wir wohnen in einer eigentlich ruhigen Seitenstraße, in der sich ausschließlich Wohnhäuser befinden. Vor ein paar Wochen wurde der Gehweg gegenüber erneuert, der Lärm war ja noch erträglich. Nun aber wird neben dem Gehweg die Straße aufgerissen (dies war vorher nicht absehbar, erst am Montag wurde die Baustelle vorbereitet). Der Lärm ist unerträglich und der Baggerfahrer benutzt die Baggerschaufel als Hammer..., das bedeutet er klopft den Asphalt damit auf und größere Brocken klein. Dies ist wiederum so heftig, dass bei jedem Aufschlag meine Wohnung wackelt. Das geht nun schon über mehrere Stunden so. An Schlaf für meinen Sohn (9 Monate) ist morgens und mittags nicht mehr zu denken und mich machen der Lärm und die Erschütterungen langsam verrückt. Erst vor ca. 2 Wochen, wurde das Haus auf einer Großbaustelle eine Straße weiter fertiggestellt und wir waren froh, dass endlich Ruhe einkehrt. Falsch gedacht. Es ist hier momentan unzumutbar und diesen Freitag bekommen wir auch noch ein Trocknungsgerät in die Küche, welches 24/7 das komplette Wochenende über läuft. In der Wohnung über uns war ein Heizungsrohr geplatzt ist. Kann ich in diesem Fall die Lärmbelästigung protokollieren und die Miete mindern? Wenn ja, um wieviel Prozent?
    Mit freundlichen Grüßen
    Sabine N.

  • Bello

    gepostet von Bello

    Besten Dank für die vielen Tipps. Habe so ein Problem zwar nicht, wollte mich aber auch mal von der anderen Seite her informieren. Vielleicht will man ja selbst mal ein Haus bauen und will es sich nicht gleich mit den Nachbarn verscherzen. Vielleicht tut’s dann ja auch ein Fertighaus, das ist schneller aufgebaut… ;)


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